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Mittelsteinzeit
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
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Eine Mittelsteinzeit, auch Mesolithikum (nach altgriechisch ÎŒÎÏÎżÏ mĂ©sos âmittel, mittlererâ, und Î»ÎŻÎžÎżÏ lĂthos âSteinâ) genannt, ist fĂŒr das nacheiszeitliche Europa zwischen der jĂŒngeren Altsteinzeit (JungpalĂ€olithikum) und der Jungsteinzeit (Neolithikum) definiert. Auslöser waren die durch die Wiederbewaldung Mitteleuropas zu Beginn des HolozĂ€ns etwa 9700 v. Chr. (10. Jahrtausend v. Chr.) gesetzten neuen Lebensbedingungen. Die Menschen mussten lernen, anstelle des verschwindenden GroĂwildes der KĂ€ltesteppen nun in den WĂ€ldern Standwild zu jagen und die Fischerei zu verstĂ€rken. Beendet wurde die Mittelsteinzeit regional verschieden durch die Ausbreitung der erzeugenden Wirtschaftsweise (Ackerbau und Viehzucht) der Jungsteinzeit. Sie dauerte im sĂŒdosteuropĂ€ischen Raum bis etwa 5800 v. Chr., wĂ€hrend sie im nordwesteuropĂ€ischen Raum erst etwa 4300 v. Chr. endete.
Im mediterranen Raum wird neben dem Begriff âMesolithikumâ hĂ€ufiger der Begriff âEpipalĂ€olithikumâ gebraucht. WĂ€hrend in Nordafrika das europĂ€ische Mesolithikum und das JungpalĂ€olithikum als âEpipalĂ€olithikumâ zusammengefasst werden, taucht das Mesolithikum gelegentlich, dann aber spezifiziert in kombinierten Begriffen wie dem âKhartoum-Mesolithikumâ auf. FĂŒr den Westen Kleinasiens sind sowohl âMesolithikumâ als auch âEpipalĂ€olithikumâ gelĂ€ufig. Bei rĂ€umlich ĂŒbergreifenden Darstellungen wird der Begriff eher als Mittel der zeitlichen Einordnung genutzt, ohne dass sich ein Lebensstil dahinter verbirgt, der fĂŒr Europa und wenige westasiatische Gebiete aufgrund ihrer ökologischen Bedingungen und des Fortbestehens einiger JĂ€ger-und-Sammler-Gesellschaften spezifisch war.
In den beiden Amerikas sind die Kulturen der Archaischen Periode mit der Mittelsteinzeit Eurasiens vergleichbar.cite-ref-1[1]
Contents
âą Gliederung
âą Bestattungen
âą Wohnweise
⹠ErnÀhrung
âą Umwelt
âą Kunstwerke
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Gliederung
Der auf das westliche Eurasien beschrĂ€nkte Begriff Mesolithikum wurde 1874 von Otto Martin Torell und 1866 von Hodder Westropp eingefĂŒhrt.cite-ref-2[2] Er wird vorwiegend auf Mittel- und Nordeuropa angewendet.
Das mitteleuropĂ€ische Mesolithikum wird â vor allem anhand von sogenannten Mikrolithen â unterteilt in:
âą FrĂŒhmesolithikum (9600â7000/6500 v. Chr.); Kennzeichen: Dreiecksmikrolithe.
âą SpĂ€tmesolithikum (ca. 7000/6500â5500/4500 v. Chr.); Kennzeichen: Trapezmikrolithe und gedrĂŒckte Makroklingen.
Die einzelnen Fundstellen belegen eine regional unterschiedliche AusprÀgung:
âą Im nördlichen Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen entspricht Ă€lteres und jĂŒngeres Mesolithikum der Halterner Stufe und der Boberger Stufe sowie der HĂŒlstener Gruppe (jĂŒngeres Mesolithikum im westlichen Nordrhein-Westfalen).cite-ref-5[5]
⹠In der Norddeutschen Tiefebene erfolgt die Unterteilung in die Duvensee-Gruppe (benannt nach den WohnplÀtzen im Duvenseer Moor) und die Oldesloer Gruppe, evtl. auch die Swifterbant-Kultur in den Niederlanden.
âą In DĂ€nemark werden Maglemose-, Kongemose- und ErtebĂžlle-Kultur unterschieden.cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]cite-ref-8[8]
âą Auf den Britischen Inseln fehlen Trapeze. Hier finden sich auch im SpĂ€tmesolithikum groĂformatige Industrien wie das Larnian (nach Larne in Nordirland, ab ca. 6000 v. Chr.) sowie das Obaniancite-ref-9[9] (nach Oban in der schottischen Council Area Argyll and Bute).cite-ref-10[10]cite-ref-11[11]cite-ref-12[12] Der Cheddar Man lebte vor rund 10.000 Jahren,cite-ref-13[13] phĂ€notypisch besaĂ der Mann mit groĂer Wahrscheinlichkeit eine dunkelbraune Hautfarbe, blaue Augen sowie dunkle gelockte Haare und hatte eine Laktoseintoleranz.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]
In Linmere, Bedfordshire sind 25 monumentale runde, in geraden Linien angeordnete Gruben entdeckt worden. 14C-Datierungen deuten darauf hin, dass sie vor 8500 bis 7700 Jahren gegraben wurden. Die gröĂte ist mehr als 4,8 m breit und 1,8 m tief. In einigen Gruben wurden Tierknochen, darunter die von Auerochsen, gefunden. Forscher erklĂ€rten, dass es im Vereinigten Königreich nur sehr wenige mesolithische StĂ€tten dieser GröĂe gibt.
Das Ende der Mittelsteinzeit, mit dem Beginn der Jungsteinzeit, ist in Europa mit dem Erscheinen der ersten bĂ€uerlichen Kulturen verbunden. Diese traten im SĂŒden frĂŒher auf als im Norden:
âą um 5800 v. Chr. im westlichen Mitteleuropa (La-Hoguette-Gruppe) und in SĂŒdosteuropa (Alföld-Linearkeramik und Körös-Kultur),
âą um 5500â4900 v. Chr. in mittleren Breiten (Linearbandkeramische Kultur),
âą um 4100 v. Chr. im nördlichen Mitteleuropa und um 4000/3900 v. Chr. in SĂŒdskandinavien (Trichterbecherkultur).
Bestattungen
Derzeit sind 280 mesolithische Bestattungen aus 25 LĂ€ndern in Europa mit etwa 2400 Individuen bekannt.
FrĂŒhmesolithikum
In der BlĂ€tterhöhle bei Hagen wurden frĂŒhmesolithische Menschenreste entdeckt, die mit Höhlenfunden aus Frankreich (Santu Stefanu) vergleichbar sind.cite-ref-16[16] In Ligurien, im Nordwesten von Italien, unweit der Stadt Albenga, wurde 2017/18 in einer ovalen Grube ein Kindergrab freigelegt, das 66 durchlöcherte Schalen von Meeresschnecken (Columbella rustica) enthielt und auf ein Alter von 10.211 bis 9.910 Jahren (cal BP) datiert wurde.cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]
Ein auĂergewöhnliches Grab ist die Brandbestattung, die am Rande des Duvenseer Moors im Jahre 2022 entdeckt wurde.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20] Mit ihrem Alter von etwa 10.500 Jahren gilt sie als Ă€lteste bekannte Bestattung Schleswig-Holsteins und ist Ă€lter als die meisten bekannten mesolithischen Bestattungen Norddeutschlands und SĂŒdskandinaviens. Nur ein Befund aus Hammelev, JĂŒtland, DĂ€nemark, weist ein Ă€hnliches Alter auf und ist ebenfalls ein Leichenbrandfundcite-ref-21[21]. Dies deutet an, dass womöglich zu Beginn des Mesolithikums die Brandbestattung die vorherrschende Bestattungspraktik war in dieser Region.
SpÀtmesolithikum
Aus dem spĂ€ten Mesolithikum sind, besonders aus DĂ€nemark und SĂŒdschweden, einige GrĂ€berfelder bekannt (Skateholm, Vedbaek-Bogebakken). Auf den Inseln Ăle dâHĆdic und Ăle TĂ©viec im DĂ©partement Morbihan (Frankreich) wurden sogar Steinplatten als Grabeinfassungen verwendet.cite-ref-22[22] In Castleconnell im County Limerick in Irland fanden sich Belege fĂŒr geschliffene Steinbeile und frĂŒhe Feuerbestattungen.cite-ref-23[23]
Ein Merkmal des SpĂ€tmesolithikums sind SchĂ€delbestattungen, wie z. B. in der GroĂen Ofnet-Höhle bei Nördlingen, im Hohlenstein-Stadel im Lonetal und in der Höhlenruine âHexenkĂŒcheâ auf dem Kaufertsberg bei Lierheim (Landkreis Donau-Ries).cite-ref-24[24]
Eine Besonderheit stellt ein 1962 entdecktes mittelsteinzeitliches Grab auf dem Weinberg nahe dem Ortsteil GroĂ Fredenwalde der Gemeinde Gerswalde im Landkreis Uckermark im nördostlichen Brandenburg dar. Dort wurden die Ăberreste von sechs Individuen (drei Erwachsene und drei Kinder) gefunden.cite-ref-25[25]cite-ref-26[26] Mesolithische GrĂ€ber mit einer vergleichbar groĂen Zahl von Verstorbenen sind auch aus Belgien (Abri des Autours, Grotte Margaux) bekannt.
2014 wurde auf dem Weinberg eine ungewöhnliche 7000 Jahre alte Bestattung gefunden. Ein etwa 1,60 m groĂer junger Mann wurde aufrecht stehend bis zu den Knien in einer Grube beigesetzt, und erst nach dem Zerfall des Oberkörpers wurde die Bestattung mit einer Feuerstelle versiegelt. Diese Bestattung störte eine Ă€ltere Kinderbestattung und im selben Jahr wurde auĂerdem benachbart eine Kleinkindbestattung geborgen. Die verschiedenen Bestattungen sprechen dafĂŒr, dass auf dem Weinberg das Ă€lteste GrĂ€berfeld im nördlichen Mitteleuropa angelegt worden ist.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]
In Europa sind mehr als 74 von etwa 2100 Personen in einer sitzenden oder halb sitzenden Position (Frau von BĂ€ckaskog) bestattet worden. Weitere 31 GrĂ€ber können Sitzbestattungen enthalten haben. Diese Bestattungsart hat insbesondere in Skandinavien dazu gefĂŒhrt, dass neolithische Knochenhaufen in Megalithanlagen als Sitzbestattungen interpretiert wurden.
Materielle Kultur
Feuerstein-GerÀte
Kennzeichnend fĂŒr die Epoche sind die sogenannten Mikrolithen, winzige Projektile aus Feuerstein und anderen Rohmaterialien. Man unterscheidet Mikrolithen aus speziellen, sehr kleinen Klingen (Mikroklingen) und geometrische Mikrolithen, die durch das gezielte Zerbrechen und anschlieĂende Retuschieren gröĂerer Klingen hergestellt wurden. In Nordeuropa wurden geschĂ€ftete Feuerstein-Beile, so genannte Kern- und Scheibenbeile, verwendet.
Aus dem Mesolithikum sind die ersten mit organischen SchĂ€ftungen erhaltenen Dolche (Messer mit beidseitiger Schneide) belegt. Einen mit Bastumwicklung erhaltenen Dolch, der aus einer beidseitig spitz retuschierten groĂen Feuersteinklinge gefertigt ist, gibt es vom Fundplatz Nischneje Veretije in Nordrussland, mit Radiokohlenstoffdaten der Fundschicht um ca. 8000 v. Chr. In der Fundstelle Olenij Ostrov in Karelien wurde ein etwa gleich alter âKnochendolch mit eingeklebten Feuersteinklingenâ gefunden.cite-ref-30[30]
Organische Artefakte
Wegen der Einlagerung der Funde in Torfmooren gibt es von vielen archĂ€ologischen Fundstellen eine hervorragende organische Erhaltung von Artefakten, zum Beispiel Fischernetze aus Bast (Fundstelle Friesack), PfeilschĂ€fte aus Kiefern- und Haselholz (Fundstelle Duvensee), Reusen, BirkenrindengefĂ€Ăe, Rindenböden (Fundstelle Duvensee)cite-ref-31[31] und Netzschwimmer. Angelhaken wurden aus Hirschgeweih (FundplĂ€tze Bois-Ragot, Pont dâAmbon, beide Frankreich)cite-ref-pasda-1-32-0[32] oder Knochen hergestellt. Bernhard Gramsch fĂŒhrt 38 Angelhaken aus organischem Material auf, die im Havelland westlich von Berlin gefunden wurden.cite-ref-33[33] Auch das Exemplar aus der Gemarkung Kleinlieskow (Braunkohletagebau Cottbus-Nord) wurde aus Knochen gefertigt.cite-ref-pasda-1-32-1[32]
Wohnweise
Nachdem bereits im Gravettien (zum Beispiel in DolnĂ VÄstonice und Pavlov) LagerplĂ€tze langfristig bewohnt worden waren, nahm die Sesshaftigkeit in der Mittelsteinzeit allgemein etwas zu. Das reduzierte Schweifgebiet der JĂ€ger und Sammler lĂ€sst sich unter anderem an der Herkunft von Feuerstein-Rohmaterial belegen. Die Gruppen der Mittelsteinzeit nutzten saisonal mehrere WohnplĂ€tze. Auf mesolithischen GrabungsplĂ€tzen fand man Strukturen, die auf Windschirme und HĂŒtten hinweisen. Die hĂ€ufigeren Windschutzbauten sind durch wenige (in gerader Linie oder im Bogen angeordnete) Pfostenlöcher gekennzeichnet. In Mount Sandel (etwa 6960â6440 v. Chr.) in Irland weist eine groĂe Zahl von Pfostenlöchern auf ein solides GebĂ€ude hin. Vermutlich war der Fundplatz Morton in Schottland (4700â4300 v. Chr.) wiederholt bewohnt, was Lochreihen fĂŒr Pfosten- oder Stangen andeuten, die vermutlich Windschirme trugen.
FundplĂ€tze mit Ăberresten von SteinwĂ€llen und fundamentartigen Steinsetzungen wurden in Norwegen nördlich des Polarkreises entdeckt. In Tverrvikraet bei Gamvik, in der Provinz Finnmark, stieĂ man auf Reste eines kleinen rechteckigen Hauses. Auf der Insel TrĂŠna wurden die Reste eines 6000â4000 Jahre alten Hauses gefunden. Pfostenlöcher an den Innenseiten der WĂ€nde und einer zentralen Feuerstelle lassen keine andere Deutung zu. Am Varangerfjord in Norwegen nahe der Grenze zu Russland fand man kreisförmige Anordnungen von Pfostenlöchern, die GrubenhĂ€user und Zelte andeuten, spĂ€ter dann GressbakkenhĂ€user. Das etwa 8500 Jahre alte Tingby-Haus in Schweden gilt als Skandinaviens Ă€ltestes Haus. Eine Rekonstruktion steht nahe der Fundstelle auf dem GelĂ€nde einer AuĂenstelle des LĂ€n-Museums von Kalmar.
In DĂ€nemark und Norddeutschland wurden LagerplĂ€tze der Maglemose-Kultur ausgegraben (HolmegĂ„rd IV, SvĂŠrdborg I und Ulkestrup Ăst I), auf denen noch die Ăberreste der HĂŒttenböden erhalten waren, die aus miteinander verflochtenen Rindenstreifen und gespaltenen BaumstĂ€mmen bestanden. In Ulkestrup Ăst I hatten die HĂŒtten rechteckige oder trapezförmige Grundrisse und GrundflĂ€chen zwischen 6,25 und 24 mÂČ. DĂ€cher und WĂ€nde bestanden aus Birkenreisig und/oder Schilf. In HolmegĂ„rd IV lassen doppelte Böden aus Birkenrinde auf eine Wiederbesiedlung oder Reparaturen schlieĂen; die PlĂ€tze wurden offenbar ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum genutzt. SvĂŠrdborg I zeigt Probleme bei der Deutung auf. Eine von neun HĂŒtten war eindeutig Ă€lter als die anderen. Bei den ĂŒbrigen acht konnte nicht festgestellt werden, ob sie gleichzeitig oder nacheinander errichtet wurden.
Unter dem Muschelhaufen von Moita do SebastiĂŁo in Portugal stieĂ man auf eine gröĂere Konstruktion, datiert auf 5350â5080 v. Chr. Ein offener Halbkreis aus 61 Pfostenlöchern lĂ€sst auf einen Schutzbau gegen die Nordwinde schlieĂen. LehmstĂŒcke mit GrasabdrĂŒcken, die in der NĂ€he gefunden wurden, verweisen auf ein Dach aus Binsen und Halmen von SĂŒĂgrĂ€sern (Gramineen), das mit Lehm bestrichen wurde. AuĂerdem fand man Kochgruben.
ErnÀhrung
â
Hauptartikel
:
Traditionelle Wirtschaftsform#Extraktive Wirtschaftsformen (Wildbeuter und Feldbeuter)
Ursachen der Umstellung der ErnĂ€hrung waren insbesondere die Abwanderung der groĂen Herdentiere und die bessere VerfĂŒgbarkeit von Sammelgut (FrĂŒchte, Muscheln etc.), aber auch verbesserte Techniken zum Kleintierfang und die starke Entwicklung der Fischerei. Die Jagd findet auf Standwild statt, da die groĂen Herden der Altsteinzeit wie Rentiere, Saigas und Wildpferde abgewandert waren. Das Beutespektrum der Mittleren Steinzeit besteht vorwiegend aus Waldbewohnern wie Rothirsch, Reh und Wildschwein (siehe Wohnplatz Hohen Viecheln). Daneben ist die Jagd auf Fische, Vögel und Kleintiere nachgewiesen. An den KĂŒsten Nordmitteleuropas erzeugt die Kongemose-Kultur (6000â5200 v. Chr.) die ersten KĂžkkenmĂžddinger (KĂŒchenabfallhaufen), die an der AtlantikkĂŒste zahlreicher sind.
Bereits im frĂŒhen Mesolithikum steuerte die Haselnuss einen wichtigen Beitrag zur ErnĂ€hrung bei.cite-ref-bick-37-0[37] Die enorm schnelle Ausbreitung in diesem Zeitalter wird mit der Ausbreitung des Menschen in Verbindung gebracht, der durch die Anlage von HaselnussvorrĂ€ten die Vermehrung der Haselnuss bewusst oder unbewusst förderte.cite-ref-38[38] Dies könnte die erste Kultivierung eines Nahrungsmittels in Europa sein, was allerdings nicht nachweisbar ist. Dicke Schichtpakete aus Nussschalen vom Fundplatz Duvensee, spezialisierte RöstplĂ€tze zur Verarbeitung umfangreicher NussvorrĂ€te, Nussknacker und Modellierungen zum AusmaĂ der frĂŒhholozĂ€nen Nussnutzung belegen, dass diese die ErtrĂ€ge frĂŒhen Ackerbaus noch ĂŒberstiegen haben können.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]
Umwelt
â
Hauptartikel
:
Letzteiszeitliches Maximum
â
Hauptartikel
:
WĂŒrm-Kaltzeit
â
Hauptartikel
:
JĂŒngere Dryaszeit
Das Mesolithikum war vom ZurĂŒckweichen des Eises der Weichsel-Kaltzeit in Nordeuropa und der damit verbundenen schnellen ErwĂ€rmung des Klimas wĂ€hrend des PrĂ€boreals geprĂ€gt. In den Gebieten, die vorher von eiszeitlichen Tundren bestimmt waren, entwickelten sich erst lichte, dann immer dichtere WĂ€lder, wie Isopollenkarten zeigen. Auf den Kiefern-Birkenmischwald des Boreals folgte mit der Einwanderung wĂ€rmeliebender Arten Hasel-, schlieĂlich der Eichenmischwald des Atlantikums. Die Besiedlungsgrenze verschob sich nach Norden. Der Meeresspiegel stieg zwischen 9600 und 5000 v. Chr. um nahezu 100 m an.
Kunstwerke
An Kunstwerken gibt es Felsbilder sowie Kleinkunst in Form von reich verzierten Knochen- und GeweihgerÀten. Menschenfiguren und Elchzepter aus Geweih gibt es aus dem GrÀberfeld der Fundstelle Olenij Ostrow (Karelien). Insgesamt ist das Mesolithikum auffallend arm an Menschendarstellungen.
Siehe auch
Literatur
⹠Wolfram Schier, Jörg Orschiedt, Harald StÀuble, Carmen Liebermann (Hrsg.): Mesolithikum oder Neolithikum? Auf den Spuren spÀter Wildbeuter. Edition Topoi, Berlin 2021. (online, PDF)
âą Philippe CrombĂ©, Erick Robinson: European Mesolithic: Geography and Culture State of Knowledge and Current Debates. In: Encyclopedia of Global Archaeology. 2014, S. 406â413.
âą Birgit Gehlen, Martin Heinen, Andreas Tillmann (Hrsg.): Zeit-RĂ€ume. Gedenkschrift fĂŒr Wolfgang Taute (= ArchĂ€ologische Berichte. Band 14). DGUF in Kommission bei Rudolf Habelt, Köln/Bonn 2001 (Digitalisat)
âą Judith M. GrĂŒnberg et al.: Mesolithische Bestattungen â Riten, Symbole und soziale Organisation frĂŒher postglazialer Gemeinschaften. In: Tagungen des Landesmuseums fĂŒr Vorgeschichte Halle. Band 13/II | 2016.
âą Steven J. Mithen, Karen Wicks: The interpretation of Mesolithic structures in Britain: new evidence from Criet Dubh, Isle of Mull, and alternative approaches to chronological analysis for inferring occupation tempos and settlement patterns. In: Proceedings of the Prehistoric Society. 84. ISSN 0079-497X S. 77â110.
âą Thomas Terberger, Berit Eriksen (Hrsg.): Hunters in a changing world. Environment and archaeology of the Pleistocene-Holocene transition (ca. 11.000â9000 B.C.) in Northern Central Europe. Internationale ArchĂ€ologie â Arbeitsgemeinschaft, Tagung, Symposium, Kongress 5. Rahden/Westfalen: Marie Leidorf 2004.
Weblinks
Commons
: Mittelsteinzeit
â Sammlung von Bildern
Wiktionary: Mittelsteinzeit
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⹠Mesolithic Miscellany, Infos und Newsletter zum europÀischen Mesolithikum, auf sites.google.com (englisch)
âą Mesolithikum. In: Siedlungsgeschichte (in Westfalen), auf historisches-centrum.de
âą Mesolithische Fundstellen am HĂŒlser Berg bei Krefeld, auf archaeologie-krefeld.de
âą Projektseite zum PrĂ€alpinen Mesolithikum, UniversitĂ€t ZĂŒrich, hazelnutrelations.wordpress.com (englisch)
âą Pits Discovered in England
Einzelnachweise
cite-note-11. â britannica.com: Stichwort: Archaic culture, abgerufen am 26. Juli 2024.
cite-note-22. â Graeme Barker: The agricultural revolution in prehistory: why did foragers become farmers? Oxford University Press, Oxford 2006.
cite-note-33. â W. Taute: Untersuchungen zum Mesolithikum und zum SpĂ€tpalĂ€olithikum im sĂŒdlichen Mitteleuropa. Band 1: Chronologie SĂŒddeutschlands. Habilitationsschrift TĂŒbingen 1971.
cite-note-44. â W. Taute (Hrsg.): Das Mesolithikum in SĂŒddeutschland. Teil 2: Naturwissenschaftliche Untersuchungen. (= TĂŒbinger Monographien zur Urgeschichte. Bd. 5/2). Verlag Archaeologica Venatoria, TĂŒbingen 1978.
cite-note-55. â Walther Adrian: BeitrĂ€ge zur Steinzeitforschung in Ostwestfalen. Teil II: Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins fĂŒr Bielefeld um Umgegend ĂŒber die Jahre 1954 und 1955. Bielefeld 1956, 121 S.
cite-note-66. â D. Holst: Zur Entwicklung frĂŒhmesolithischer Artefaktproduktion: Handwerkliche Tradition und Landschaftsnutzung am Duvensee (Schleswig Holstein). In: ArchĂ€ologisches Korrespondenzblatt. Band 4, 2008, S. 457â476 (Digitalisat, pdf).
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